Monate im Weddingrausch – Teil II

Für Hochzeitsinteressierte, Brautmütter, Nähbegeisterte und Trauzeuginnen…

Während die Trauzeugin meiner Tochter in unmittelbarer Nähe wohnt, lebt die Trauzeugin meines Schwiegersohnes in Dresden. Die Trauzeugin vor Ort (Carolin) ist mir gut bekannt, weil inzwischen Schwägerin meiner Tochter, von der Trauzeugin aus DD kannte ich eigentlich nur den Namen – Anna. Von Carolin konnte ich dann also die Maße vor Ort nehmen, während Anna mir ihre ehrliche Größe via Whats app durchgegeben musste.
Carolin wurde dann eine Auswahl der von Brautzilla vorgeschlagenen Modelle gezeigt und sie entschied sich unproblematisch für einen Schnitt aus der burda Vintage (Modell Fiore).

Selten habe ich beim Nähen aller Kleider so viel getrennt und getrennt
und getrennt. Was eben noch ein Kleid war, lag dann
„auseinandergenommen“ auf dem Boden. Auch Carolins Kleid war dabei keine Ausnahme. Insgesamt betrachtet, war ihr Kleid allerdings am schnellsten fertig. Es passte gleich bei der ersten Probe fast perfekt und vorallem auch zu ihrem Typ. Zudem konnte ich auch noch etwas Neues erlernen: „Rollieren“. Die Saumkante des üppigen Kragens musste rolliert werden.

Carolin war von Beginn an begeistert und trug damit erheblich zu meiner Motivation bei. Ihrem Wunsch, einen Petticoat darunter zu tragen, wurde ich nur zu gern gerecht.

Und dann kam Anna…bewusst habe ich mir ihr Kleid „aufgehoben“. Für jemanden zu nähen, dessen Körper einem fast unbekannt ist, stellt zwangsläufig eine große Herausforderung dar. Es wurde meine bislang größte Herausforderung.
Unser Kontakt übers Handy begann am 08.04.2015 mit: „Hallo Birgit, Anna hier :)“ Es folgte ihr Lieblingskleid und Kleidergröße (40).

Dass aus ihrem Lieblingskleid nichts geworden ist, werdet ihr ganz schnell feststellen. Zum einen fand ich es einer Trauzeugin nicht angemessen genug und vorallem passte der Schnitt keinesfalls zum Stoff. Annas Hinweis, dass die 50er und 60 er so gar nicht ihres sind, machte unser Projekt nicht leichter. Ich musste also Anna auf „meinen Weg“ bringen. Gemeinsamkeiten in der Vorstellung gab es glücklicherweise auch: Ein One Shoulder Kleid sollte es unbedingt werden. Aufbauend auf dieser Tatsache und unter Berücksichtigung ihrer Kleidergröße wühlte ich in meinen burda Heften. Ich entschied mich nach reichlichen Überlegungen für das Modell 109 aus 5/2014. Jetzt musste ich nur Anna überzeugen und dekorierte meine Puppe entsprechend.

Meine Puppe überzeugte – phuuuu damit war die erste Hürde geschafft. Nun schnell den Schnitt für eine freie Schulter verändert und zugeschnitten, denn Anna hatte sich zur Anprobe angesagt. Zwischendurch noch den Rohling via whats app, die Sache mit einem Ärmel geklärt und Anna feute sich auf die Anprobe… Wenn sie gewusst hätte, wie mulmig mir gewesen ist, welche Zweifel ich hatte…Es ist der 30.05.2015 Anna, mir bis dahin nur übers Handy bekannt, schlägt bei uns auf.

Über ihre weiblichen Kurven war ich ……erschrocken….natürlich nur im Hinblick auf meinen Rohling. Anna war so euphorisch, dass sie mir ein wenig von meiner Angst nahm und ja, sie passt ins Kleid. Der Rock war leicht zu eng und das Oberteil? Das ging eigentlich gar nicht, im Grunde genommen schon, es kleidete sie, aber der Busen brauchte definitiv ein bisschen mehr Stoff, als ich eingeplant hatte. Aufatmen, für ein Oberteil hatte ich noch Stoff. Ich zeichnete alle Mängel an und vermerkte auch, dass das Rockteil irgendwie schief war. Die Ursache dafür habe ich bis heute nicht verstanden.Zudem musste der Busen zwingend von einem Träger gehalten werden. Anna spielte mit – Glück gehabt 🙂

Aufgrund des naja schmeihelhaft ausgedrückt: nicht ganz passenden Kleides, war eine ganz schnelle Anprobe erforderlich. Mein lange geplanter Besuch am nächsten Tag auf dem Stoffmarkt in Potsdam wurde gestrichen, denn ich musste zwingend nähen. Anna war nur über Pfingsten zu Besuch bei den Eltern. Die zweite Probe am folgenden Tag lief besser, sie war nicht perfekt, aber besser.  Das machte mir Mut.

Wir verabredeten uns für auf der Rücktour von FFM. Ich gab alles, beachtete meine neuen theoretischen Kenntnisse hinsichtlich Körbchengröße mehr als „b“ und am 21.06.2015 stellten wir in ihrem engen Flur unter den Augen ihrer Mitbewohnerinnen fest, dass das Kleid „passte“.
Ich fand es schön, ich war auch überzeugt, dass sie total schön darin aussah und sie stimmte mir auch uneingeschränkt zu. Meine Brautzilla war auch mit dabei und bestärkte mich enorm. Ein kleines bisschen Zweifel blieb dennoch zurück. Etwas fehlte an dem Kleid, ein Schmuckstück, ein Hingucker. Ich nähte ihr einen Gürtel und verzierte diesen mit einem Samtband in schwarz. Zufällig hatte ich einen Knopf in meinem Fundus, in den Farben des Kleides. Als es dann so komplett fertig auf der Puppe hing, taufte ich es auf mein persönliches Miss Dior Kleid. Beim Nähen des Gürtels erinnerten mich die Farben an das Parfüm. Eine letzte Probe wurde für 2 Tage vor dem großen Auftritt vereinbart. Inzwischen war ich optimistisch, besser euphorisch. Ich fand das Kleid absolut gelungen und jetzt musste nur noch abschließend alles in Ordnung sein…

Schreibe einen Kommentar