Ich habe es wieder getan. Nach dem Marathon 2025 war also vor dem Marathon 2026. Unbedingt wollte ich es noch ein weiteres Mal wissen. Der Startplatz wurde teuer gekauft und es könnte sein, dass sich allein diese Investition motivierend beim Training ausgewirkt hat.
Nach meinem ersten Laufjahr und dem Erfolg 2025 war ich inzwischen routinierter. Das ich mein konsequentes Training urlaubsbedingt erst Mitte November beginnen konnte, ließ mich nicht panisch werden.
Wirklich viele Wochen bin ich auf Schnee oder Eis gelaufen. Meine Kleiderordnung hatte ich im Griff, so dass die oftmals kühlen Temperaturen nicht hinderlich gewesen sind. Bis zu den ersten Schneeglöckchen hatte es in diesem Jahr besonders lange gedauert. Mit Podcast auf den Ohren, den Wechsel der Natur beobachtend, lief ich ziemlich diszipliniert meine Runden Monat für Monat.
Auf dem Weg zum zweiten Marathon gab es einen ersten Wettkampf, den Halbmarathon im März in Frankfurt. Diesen konnte ich mit einer persönlichen Bestzeit finishen. Mit meiner Tochter gemeinsam ins Ziel zu laufen, war ein kleiner Höhepunkt bei diesem Lauf. Auch hier war ich fasziniert, mit wie vielen Menschen ich dieses Hobby teile. Was ich besonders faszinierend finde, ist der erhebliche Anteil von Jugendlichen. Während wir in unserer Jugend viermal die Woche zur Disko unterwegs gewesen sind, treibt die heutige Jugend intensiv Laufsport. Mit diesem Lauf hatte ich nun endlich auch ein öffentliches Ergebnis eines Halbmarathons. Bislang war ich diese ja immer still im Rahmen meines Trainings gelaufen.
Nicht wenige Kilometer bin ich während meiner Besuche in Frankfurt gejoggt. Ich liebe es dort am Main unterwegs zu sein.
Ein Marathon im September bedeutet zuvor intensives Training in der Sommer- und Urlaubszeit. Optische Ziele bzw Orte erleichtern mir das Training. In den Bergen fiel mir das Training ziemlich schwer.
Auch in diesem Jahr waren wir wieder zu dritt am Start und haben uns aus Kostengründen sogar ein Hotelzimmer geteilt. Das war sehr spaßig. Vielleicht noch zur Erklärung: Das Losverfahren für einen Startplatz in Berlin war uns erneut nicht wohl gesonnen. So mussten wir den Startplatz teuer über einen Reiseveranstalter kaufen. Die Entscheidung hierfür war nicht von langem Überlegen geprägt. Auch ist Spontanität und Schnelligkeit gefordert, weil die Plätze sonst vergeben sind. Die Übernachtung im Hotel ist somit vorgegeben und das macht den Startplatz letztendlich auch teuer. Um etwas zu sparen, haben wir uns auf ein Dreibett – Zimmer geeinigt. Ob ich bzw. wir das nochmals so machen würden?






Während ich im letzten Jahr eigentlich nur laufen musste, weil mein Laufbuddy – mein Schwiegerkind – auf alles geachtet hat, war ich in diesem Jahr für jeden Pulsschlag, jedes Gel und jede Entscheidung komplett allein verantwortlich. Keine Absprachen, kein kollektives Mitziehen im vertrauten Zweiergespann. Nur ich, die Straße und die Frage, wie mein Körper auf diese neue Einsamkeit reagieren würde.
Mein Schwiegersohn – sportlich um Welten schneller als wir Frauen – verabschiedete sich erwartungsgemäß früh nach vorn. Ausgemacht war außerdem, dass jeder seinen eigenen Lauf absolviert. Schritt für Schritt, im Gleichklang der Masse liefen meine Tochter und ich glitzernd ein ganzes Stück weit auf selber Höhe.
Nach meinem Toilettengang verlor ich sie im dichten Gedränge der tausenden Läufer aus den Augen. In meinem Kopf formte sich sofort eine logische Annahme: Sie ist schon weiter. Ein Trugschluss, der die nächsten Stunden meines Rennens vollständig bestimmen sollte.
Ab diesem Moment war ich nun wirklich auf mich allein gestellt. Mein Gehirn stellt im Rhythmus der Kilometer die immer gleichen, überlebenswichtigen Fragen dar:
Die Kontrolle: Wo steht der Puls? Dreht er im roten Bereich oder halte ich den aeroben Korridor?
Die Energie: Wann kommt das nächste Gel? Bloß den Hungerast vermeiden.
Der Elektrolythaushalt: Wann muss die nächste Salztablette rein, bevor die Waden dichtmachen?
Für Fotos war neben dem Laufen also auch wichtig, wo der nächste offizielle Fotograf sitzt. Dann galt es für Sekundenteile die Haltung zu stärken und bestmöglich ein Lächeln im Gesicht zu haben. Und vor allem: Wo lauern meine persönlichen Fans in der dichten Zuschauermenge, um mir ein paar Sekunden lang Energie zuzuschreien?
Für das Handy hatte ich schlichtweg keine Kraft. Jeder Blick auf den Bildschirm hätte mich wertvolle Energie gekostet. Ich funktionierte wie ein Uhrwerk. Immer getrieben von der Vorstellung, dass meine Tochter längst meilenweit vor mir läuft und ich sie im Ziel nicht ewig auf mich warten lassen wollte.
Mit diesen Gedanken im Kopf lief ich von Versorgungsstation zu Versorgungsstation. Während mich mein Laufbuddy im letzten Jahr, vor allem bei den Versorgungsstationen, zum „Weiter, Weiter, Weiter“ gepusht hatte, wäre nun, so ganz allein unterwegs, die Gelegenheit zur chilligen Getränkeaufnahme und auch für Gehpausen möglich gewesen. Das wiederum hätte den Abstand zu meiner Tochter nochmals erhöht. Ich hatte ohnehin auf der gesamten Strecke so unglaublich viele gemeinsame Erinnerungen im Kopf und sein „Weiter, Weiter, Weiter“ aus dem letzten Jahr begleitete mich wie ein Mantra.
Die Versorgung an der Strecke war erneut top. Wasser gab es für mich nicht nur zum Trinken. Jeder Wassersprenger wurde genutzt und irgendwann wurde auch mein Cap mit Wasser gefüllt. Der letzte Wasserbecher an den jeweiligen Stationen landete im Ausschnitt. Das Wasser bahnte sich in Folge seinen Weg bis zum Hosenabschluss.



Als ich schließlich die Ziellinie überquerte, die Medaille umgehängt bekam, begann das große Suchen. Ich hielt Ausschau nach meine Tochter. Klar mein Schwiegerkind war längst im Ziel und hatte vermutlich schon die Koffer vom Hotelzimmer abgeholt. Es war abgesprochen, dass er nicht Stunden hinter der Ziellinie verbringen wird. Nach mehren Aufrufen von Google Maps versuchte ich einen Anruf bei ihr. Die Realität traf mich völlig unvorbereitet: Sie war nicht vor mir. Sie war gerade erst ins Ziel gelaufen und wartete auf ihre Medaille.
Während ich dreiviertel der Strecke dachte ich müsste mich für sie beeilen, war sie in Wahrheit hinter mir zurückgefallen. Schlimmer noch: Sie musste da hinten einen mental unfassbar harten Weg gehen. Sie hat gekämpft, gelitten und sich alleine durchgebissen.
Ein Marathon ist und bleibt unberechenbar. Er verzeiht nichts und er schreibt seine ganz eigenen Geschichten. Mein vermeintlicher Rückstand war am Ende mein Pacemaker. Die Angst, die anderen warten zu lassen, hat mich getrieben.
Mit knapp 25 Minuten war ich in diesem Jahr schneller. Wenn sich mein Darm nicht auf den letzten 5 Kilometer gemeldet hätte, wäre sicher noch mehr möglich gewesen. Auf den letzten Kilometern war kein Dixi mehr zu finden, zumindest konnte ich keines entdecken. Stückweit musste ich daher zwingend gehen, damit sich der Darm beruhigen konnte.
Beeindruckend waren erneut die Zuschauer. Bis Kilometer 5 hatte ich schon viermal meinen Namen gehört. Wildfremde Menschen feuerten mich an. Das macht so emotional, dass mir die Tränen regelmäßig liefen. Um mich vom Lauf abzulenken, begann ich später die Rufe zu zählen. Einschließlich meiner persönlichen Fans war ich bei über 20 Mal angekommen. DANKE. DANKE. DANKE. Ihr habt mich getragen, denn manchmal wurde es wirklich hart. So hart, dass ich eigentlich sicher war, dass es mein letzter Marathon sein wird.
Berlin, du warst wieder einmal ein absoluter Gradmesser – mental wie körperlich.
Bis auf heftigen Muskelkater und einer Wasserblase zwischen zwei Zehen bin ich gesundheitlich gut durch den Marathon gekommen. Die Thaimassage nach 3 Tagen hat Wunder bewirkt. Ich hatte ab Donnerstag keinen Muskelkater mehr.
Und nun? Natürlich sind wir erneut beim Marathon in Berlin für 2027 angemeldet. Wäre wirklich schön, wenn wir auch ausgelost werden :). Den ersten Wettkampf 2027 gibt es für uns Drei mit dem Halbmarathon in Frankfurt.
Wenn ich jetzt noch tolle Sportstoffe (aus denen Sportsachen namenhafter Firmen hergestellt sind) finden würde, dann könnte ich beide Hobbys perfekt miteinander verbinden. Ich schaue immer wieder mal in den unterschiedlichsten Onlineshops. Vor Ort war die Suche insgesamt ergebnislos. Wenn hier jemand liest und einen Tipp hat, freue ich mich :).
Sportliche Grüße,
Birgit










































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