Schon im vergangenen Jahr liebäugelte ich mit den knalligen Farben. An rot und orange in Kombination fand ich gefallen. In grün hatte ich mir sogar mein Weihnachtskleid vorgestellt. Mit Beginn des neuen Jahres kam mir dann ein pinkfarbener Zweiteiler in den Sinn. Anfangs nur sporadisch, eben nur als Idee und somit auch noch nicht so konkret, dass ich nach Stoffen Ausschau hielt. Dann kam die Einladung zur Taufe und schon hatte ich einen dringenden Anlass für die Umsetzung meiner Idee.
Nach langer intensiver Suche wurde ich bei „The Fabrics Sales“ fündig. Dort hatte ich bisher noch nicht eingekauft und war entsprechend skeptisch. Der Beschreibung nach war der Wollstoff u.a. für Jacken geeignet. Die Farbe war auf dem Bild schön knallig pink. Von dem Designer Haida Ackermann hatte ich noch nie etwas gehört. Meine Hoffnung, den pinkfarbenen Stoff verarbeitet zu sehen, erfüllte sich nicht. Weitere Stunden Abstand genommen und am Ende mutig 3 Meter bestellt. Die Lieferung war fix und der Stoff entsprach farblich auf jeden Fall dem Bild. Ich hätte ihn mir gern etwas dicker gewünscht, zumindest so von der Fühlprobe her.
So stand direkt fest, dass ich die komplette Jacke mit Vlieseline verstärken werde und kaufte zum ersten Mal bei Inge Szoltysik-Sparrer ein. Ihre Vlieseline wird in den höchsten Tönen gelobt und schien mir für dieses Projekt genau richtig. Dazu shoppte ich gleich noch die Schulterpolster.
Zwischenzeitlich begann ich mit der Suche nach Schnittmustern und wurde bei Burda Style fündig (Jacke: 03/2015 Modell 112 – ein rosa Zweiteiler, Hose: 04/2014 Modell 116) . Den Trend eines Zweireihers habe ich verworfen. Ich finde ein Zweireiher sieht nur geschlossen perfekt aus und erfahrungsgemäß trage ich Blazer immer offen. Ziel war außerdem einen sportlich schicken Zweiteiler umzusetzen.
Das Verstärken mit Vlieseline war natürlich zeitaufwendig und ich habe wirklich alle Teile verstärkt. Bei solch anspruchsvollen Projekten arbeite ich immer mit Heftgarn. Das Kopieren der Linien mit Kopierpapier ist mir noch immer fremd. Vermutlich finden das Einige etwas altbacken, ist es ggf auch. Wenn es nicht so meditativ wäre, dann hätte ich mich bestimmt schon umgestellt.
Am Schnittmuster habe ich keine Änderungen vorgenommen bzw. mich am Ende für die vorgeschriebene Verarbeitung entschieden. Ich wollte den Blazer gern etwas lässig und entschied daher zunächst die Abnäher im Rücken wegzulassen, also nicht zu nähen. Hat das schon jemand ausprobiert? Das funktioniert nämlich nicht. Ich habe euch die Rückenansicht im Bild festgehalten, also schaut selbst:
Schon bei der ersten Zwischenprobe habe ich den Grund des aufspringenden Rückenschlitzes in den fehlenden Abnähern vermutet. Als es auch nach geschlossenen Schulternähten und fertigem Besatz nicht besser wurde, setze ich die Abnäher nachträglich um. Bereits ungebügelt legte sich der Schlitz übereinander. Somit haben also auch die rückwärtigen Abnäher eine wesentliche Funktion 😉 Auch hat sich die Bewegungsfreiheit mit Abnähern nicht wesentlich verändert. Darüber war ich natürlich glücklich.

Die Ärmel habe ich jeweils 4 Mal eingenäht. Erst als ich die Kugel etwas flacher zugeschnitten hatte, war ich mit dem Ergebnis zufrieden. Zuvor bauschte die Armkugel so über die Schulterhöhe, also so wie bei manchen Blusen. Wisst ihr was ich meine? Vertraut mir, ich habe beim Reinschlüpfen und natürlich auch angezogen mit der erfolgten Änderung ein wirklich gutes Ärmelgefühl.
Nun zur Hose. Hier habe ich kleine Änderungen vorgenommen. So ist der RV nach vorn gelegt und die seitlichen Taschen habe ich leicht verändert. Die vorgesehene Taschenform fand ich merkwürdig und die Beschreibung im Heft zu anstrengend. Außerdem habe ich den Formbund komplett oben angesetzt, so dass die Hose nicht auf der Hüfte sitzt. Endlich konnte ich beide Teile gemeinsam anprobieren und beim Blick in den Spiegel kam ich aus dem Grinsen nicht mehr raus. Ich sah PINK. La Vie en Rose“, wie bei Valentino im vergangenen Jahr in Paris, als die Models die Herbst-/Winterkollektion 2022/2023 im knalligen Pink präsentierten.
Was für ein Farbtupfer 🙂 Vermutlich erkennt ihr auf den Bildern, dass ich mehr als 100 Prozent überzeugt bin. Insgesamt ein aufwendiges Projekt und ich bin daher froh, dass es hinter mir liegt.
Dank #mehretikette hat mein Anzug auch noch das passende Etikett an der Hosentasche (im Paspel eingenäht) bekommen.

Nach Sichtung der Fotos muss ich den Knopf am Hosenbund noch etwas tiefer setzen. Ansonsten bin ich wirklich begeistert und das Tragegefühl ist perfekt. Der Schritt sitzt bei der Hose leicht tiefer und ist entsprechend dem Schnittmuster so umgesetzt. Ich mag ja fluffige Hosen 🙂 Die Falte, welche sich unter dem rückseitigen Hosenbund bildet, muss ich beobachten. Hier wäre ggf. der Bund etwas tiefer zu setzen.
Aber auch das muss ich mir nochmals in Ruhe anschauen. Bis zur Taufe bleibt mir noch etwas Zeit. Der Vorteil wenn Hosen etwas fluffiger genäht werden, dann klappt es auch bequem mit spontanem Hocken 🙂

Die liebe Jeannette von #kurzgenäht möchte beim heutigen MMM gern wissen, wer schon für den Frühling genäht hat. Ich und ich wollte es unbedingt zeigen 🙂 Das Knopfloch am Blazer werde ich in den kommenden Tagen einnähen, das habe ich auf die Schnelle nicht mehr geschafft. Handgestochen und unter Druck stehen passt nämlich überhaupt nicht zusammen 😉
Ich freue mich auf das heutige Treffen mit den vielen Gleichgesinnten und bedanke mich beim Team von MMM für diesen monatlichen Fashion – Treff.
Habt eine schöne Zeit,
Birgit
















